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[ » Themen » Kälberaufzucht » Kaltsauertränke 2011-06-15 ]
Freitag, 24.05.2013
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Kälberaufzucht | 02.02.2011 Redaktion BLW

Joghurtdrink fördert die Gesundheit des Kalbes

Alle Beiträge zum Thema: Kaelberaufzucht
Mit dem Verfahren der Joghurttränke in der Kälberaufzucht können Arbeitsabläufe vereinfacht werden. Zudem ist sie als Kaltsauertränke hervorragend verträglich für die Tiere und wirkt sich positiv auf die Kälbergesundheit aus. Wir stellen einen Leitfaden zu dieser neuen Methode vor.
© Haubner
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© Haubner
Vollmilchtränke liegt in der Kälberaufzucht im Trend. Nicht nur in biologisch wirtschaftenden Betrieben ist sie üblich, sondern auch in der konventionellen Aufzucht nimmt das Verfahren wieder stetig zu. Dabei muss man stets beachten, dass die Vollmilch eine Tränketemperatur von 35 bis 39 °C hat, denn ansonsten gerinnt die Milch im Labmagen nur unvollständig. Dies kann zu Durchfällen führen.
 
Beim neuen Verfahren der Joghurttränke wird die Gerinnnung schon im Vorfeld vollzogen, da die Vollmilch zu Joghurt fermentiert wird. Vorteile sind somit eine schnelle Zubereitung, das Wegfallen der temperaturgenauen Milcherwärmung und die positive Wirkung auf die Darmflora der Kälber. Zudem werden zeitsparende Gruppen- und Vorratstränkesysteme möglich, im Betriebsablauf eine arbeitsentlastende Maßnahme. Im Rahmen des vom Institut für Tierernährung und Futterwirtschaft, Grub, durchgeführten Projektes „Vollweide mit Winterkalbung“ wurden sechs Milchviehbetriebe auf saisonale Winterabkalbung umgestellt. Dabei fallen etwa 90 Prozent der Abkalbungen in einen Zeitraum von maximal vier Monaten. Dadurch steigt die Anzahl der zu versorgenden Kälber kurzfristig stark an und erfordert zwingend rationelle Arbeitsabläufe für die Kälberaufzucht.
 
Auf der Suche nach effizienten Lösungen wurde man auf die Joghurttränke aufmerksam. Positive Erfahrungen von Praktikern aus dem In- und Ausland lagen dazu bereits vor. Im Winter 2009/10 wurde deshalb in allen sechs Pilotbetrieben diese Tränkevariante  eingeführt. Es sollten so praktische Erfahrungen zum Zubereiten der Joghurttränke, zum Arbeitsablauf und vor allem zur Kälberentwicklung gesammelt werden. Bei der Joghurttränke wird der in der Milch enthaltene Milchzucker (Laktose) mittels Joghurtkulturen in Milchsäure umgewandelt. Diese natürliche Säuerung auf einen pH-Wert von bis zu 4,0 bewirkt ein Eindicken und einen säuerlichen, joghurttypischen Geschmack der Milch. Im Gegensatz zur chemischen Säuerung mittels Essig-, Ameisen- oder Zitronensäure findet hierbei bereits eine Vorverdauung des Milchzuckers statt.
 
Die Milch kann den Kälbern mit wesentlich geringeren Tränketemperaturen (Kalttränke) verabreicht werden. Das Ansäuern macht die Milch zudem über einen längeren Zeitraum haltbar. Das Grundprinzip der Joghurttränke basiert auf einer kontinuierlichen Überimpfung der zum Tränken vorgesehenen Vollmilch mit Joghurtkulturen. Zum Start wird eine gewisse Menge an Joghurt selbst hergestellt. Dieser Basismenge wird lediglich die zur Kälberfütterung benötigte Milchmenge täglich eingemischt. Bis zur nächsten Tränkezeit fermentiert die Milch zu Joghurt und kann kalt verfüttert werden. Dabei gilt es folgendes zu beachten:
  1. Zuerst muss eine ausreichende Menge eines Joghurtstamms angesetzt werden. Auf je 10 Liter Vollmilch werden 500 g Naturjoghurt eingerührt. Dazu kann gewöhnlicher Naturjoghurt aus dem Supermarkt verwendet werden. Diesen Ansatz bei mindestens 20 °C (Zimmertemperatur) etwa 15 bis 20 Stunden in einem abgedeckten Gefäß fermentieren lassen.Auf entsprechende Hygiene ist dabei unbedingt zu achten. Die Milch ist nach dem Verfahren eingedickt und weist den typischen, angenehm säuerlichen Joghurtgeruch auf. Anfänglich ist die Milch in ihrer Konsistenz mit einem handelsüblichen Trinkjogurt vergleichbar. Hemmstoffhaltige Milch ist auch hier auf keinen Fall zum Bereiten von Kälbertränke geeignet, da hier speziell die Bakterientätigkeit unterbunden wird.
  2. Der angesetzte Joghurtstamm wird nun in einen größeren Vorratsbehälter gegeben. Dieser kann ein nicht mehr benötigter Milchtank, eine Regentonne oder Ähnliches sein und wird mit einem Ablaufhahn versehen. Fahrbare Behälter erleichtern das Transportieren der Tränke vom Lagerungsort zu den Kälbern, vergleichbar mit einem „Milchtaxi“.
  3. Zum Stammjoghurt wird nun die für die nächste Mahlzeit benötigte Milchmenge gegeben. Die Milch muss kuhwarm sein (etwa 30 bis 35 °C) und wird mit dem Joghurt gut verrührt. Hierzu ist bei kleineren Mengen ein großer Kochlöffel oder Schneebesen gut geeignet. Für das Durchrühren größerer Joghurtmengen, hat sich der Einsatz einer Bohrmaschine mit Mörtelrührer bewährt. Am besten wird die Milch bevor sie in den Tank fließt aus der Milchleitung abgelassen. Sollte die Milchtemperatur weiter abgesunken sein, ist ein Nacherwärmen auf mindestens 30 °C vor dem Einmischen in den Joghurt notwendig. Eine Menge von 10 Litern Stammjoghurt ist für etwa 50 Liter Milch zur Überimpfung ausreichend. Liegt die zu vertränkende Milchmenge höher, muss anteilig mehr Joghurt angesetzt werden (z. B. 15 Liter für 75 Liter Tränke). Die so vorbereitete Tränke bleibt nun bis zur nächsten Tränkezeit bei mindestens 10 °C stehen. An sehr kalten Wintertagen kann es vorkommen, das diese Mindestemperatur in der Milchkammer nicht mehr gewährleistet ist. Dann sollte dies mit einem Tränkewärmer oder einem Verbringen des Behälters in einen wärmeren Raum sichergestellt werden. Vor dem Tränken wird der so angesetzte Joghurt nochmals kurz aufgerührt. Während extremer Kälteperioden wurde bei Außenklimahaltung der Kälber die Tränke auf manchen Projektbetrieben nochmal angewärmt.
  4. Zu beachten ist nun, dass nach dem Tränken eine Restmenge von etwa zehn bis 20 Prozent Joghurt im Vorratsbehälter verbleibt, um erneut Joghurttränke herstellen zu können. Auf diesen Rest wird nun wieder die kuhwarme Milch für die nächste Mahlzeit geschüttet, gut durchgerührt und stehen gelassen. Grundsätzlich kann über den Anteil an vergorenem Restjoghurt und Temperatur die Intensität der Gärprozesses gesteuert werden. Denn säuert die Milch zu stark an, kann es zu gewissen Aktzeptanzproblemen bei den Kälbern kommen. Dem kann man durch ein Verringern der Restmenge an Joghurt zur weiteren Überimpfung oder durch Beimischen von frischer Milch, kurz vor dem Tränken, entgegenwirken. Wurden Kühe mit Trockensteller behandelt, kann es mehrere Tage dauern, bis das Kolostrum zur Joghurtbereitung geeignet ist. Für Gewissheit sorgt das Ansetzen einer geringen Menge Biestmilch in einem extra Gefäß.
Haltbarkeit und Vorrat
Eine Störung in der Fermentation der Milch (z. B. durch hemmstoffhaltige Milch) führt zum Verderb des angesetzten Joghurts und wird am Geruch erkennbar. Sollten sich in seltenen Fällen (meist nach antibiotikahaltiger Milch) Hefen darin vermehren, riecht die Milch faulig verdorben. In diesem Fall muss der Joghurt sofort entsorgt und eine neue Kultur angesetzt werden. Auch alkoholische Gärungen können im Einzelfall vorkommen. Dieser Joghurt kann noch problemlos an die Kälber verfüttert werden, gleichzeitig muss aber auch hier sofort eine neue Kultur angesetzt werden. Grundsätzlich wird ein Neuansetzen des Joghurts alle vier Wochen empfohlen. In den Praxisbetrieben konnte aber auch eine einwandfreie Weiterverwendung des angesetzten Joghurts über mehrere Monate beobachtet werden.
Nicht benötigte Biestmilch, aber auch überschüssige nicht verkehrsfähige Milch (außer Hemmstoffmilch) kann durch die Fermentation zu Joghurt über einen längeren Zeitraum haltbar gemacht werden. Es können so Vorräte von mehreren hundert Litern Tränke angesammelt werden, die anschließend nach und nach wieder vertränkt werden. Allerdings dickt der auf Vorrat hergestellte Joghurt im Laufe der Zeit immer stärker ein und wird zunehmend saurer. Sollte es dadurch zu einer schlechteren Tränkeaufnahme kommen, kann dem durch Beimischung von frischer Kuhmilch entgegengewirkt werden. Einige Projektbetriebe konservierten auf diese Art die überschüssige Kolostralmilch und wechselten anschließend auf handelsüblichen Milchaustauscher.
Praxiserfahrungen
Insgesamt wurden mit diesem Tränkeverfahren bei den sechs Pilotbetrieben im Winter 2009/10 140 weibliche und 127 männliche Kälber aufgezogen. Die Kälberverluste in Bezug auf die lebend geborenen Kälber lagen bei fünf Prozent. Die neugeborenen Kälber wurden nach der Geburt meist in Einzelboxen oder Kälber-Iglus gehalten. In den ersten drei Lebenstagen erhielten die Kälber reines Kolostrum. Dann wurde Joghurt in zunehmend steigendem Anteil zugemischt. So bekamen die Kälber bereits am Ende der ersten Lebenswoche zu 100 Prozent Joghurttränke. Werden die Kälber nämlich später auf die Sauertränke umgestellt, kann es zum Verweigern der Tränke kommen. Die Kälber wurden mit üblichen Nuckeleimern getränkt. Bei den weiblichen Kälbern zur Zucht fanden die etablierten Tränkepläne für Vollmilch Anwendung. Damit die Zuchtkälber möglichst schnell Grob- und Kraftfutter aufnehmen, ist auch hier bei entsprechendem Angebot von frischem Wasser das Begrenzen der täglichen Tränkemenge auf sechs Liter/Kalb zu empfehlen. Die Tränkedauer lag von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich. Ein Betrieb praktiziert erfolgreich ein Frühabsetzen mit sieben bis acht Wochen. Biobetriebe müssen sich an die vorgeschriebene Tränkedauer von zwölf Wochen halten, wobei in den letzten vier Wochen die Tränkemenge bis auf einen Liter pro Tag reduziert werden kann. Die verbrauchte Joghurtmenge liegt je nach Absetzalter bei etwa 280 l/Kalb (bei Frühabsetzen) bis etwa 410 l/Kalb (bei Biobetrieben).
Die männlichen Fleckviehkälber und Kreuzungstiere wurden meist mit vier bis sechs Wochen und 70 bis 80 kg Lebendgewicht über die Kälbermärkte vermarktet. Die Tiere erhielten bis zu zwölf Liter Joghurt am Tag, was wiederum für die gute Akzeptanz der Joghurttränke spricht. Auch das äußere Erscheinungsbild, die Kondition der Kälber, spricht für das Joghurttränke-Verfahren. Auf keinem der Betriebe kam es zu nennenswerten Akzeptanzproblemen.
Auffallend war die geringe Durchfallanfälligkeit der Kälber. Auftretende Durchfallerkrankungen zeigten einen abgemilderten Verlauf und heilten in der Regel nach wenigen Tagen aus. Die Joghurttränke wurde während der Erkrankungsphase weitergetränkt und von den Kälbern auch gut aufgenommen. Elektrolytlösungen wurden zusätzlich zur freien Aufnahme angeboten.
Mittlerweile finden in einigen Betrieben erfolgreich Sammeltränken Anwendung. Dabei wird eine weitere Rationalisierung der Tränkeperiode angestrebt. Voraussetzung für das erfolgreiche Umsetzen der Gruppentränke ist ein maximaler Altersunterschied der Kälber von rund zwei Wochen. Dadurch soll sichergestellt werden, dass alle Kälber ihre Ration erhalten und die jüngeren Kälber nicht von den älteren verdrängt werden. Die Gruppe kann so auch gemeinsam abgetränkt werden.
Die Gruppentränken werden meist aus Plastikfässern gefertigt. Im oberen Drittel werden entsprechend die Nuckel angebracht. An diese Sauger wird in der Tonne ein Schlauch bis zum Grund des Fasses angebracht. Wichtig dabei ist, dass der Schlauch den gleichen Durchmesser wie der Saugstutzen aufweist. Die Verbindung muss mit einem kleinen Steckrohr über Stutzen und Schlauch hergestellt werden. Ist der Schlauchdurchmesser zu groß gewählt, können die Kälber die Milch nicht hochsaugen. Sauger mit passenden Schläuchen sind als Komplettpaket auch im Fachhandel erhältlich. Die Fässer werden entweder in die Sammelbucht gehängt, am Boden verankert oder an einer Absperrvorrichtung befestigt. Eine weitere bewährte Möglichkeit ist die Verwendung eines 30-er KG-Rohres mit verschlossenen Stirnseiten. An der Oberseite des Plastikrohres werden Öffnungen ausgeschnitten. Zur Stabilität belässt man etwa 20 cm breite Stege. An einer Seite werden im Abstand von etwa 40 cm die Nuckel angebracht. Im Inneren des Rohrs reichen kurze Schlauchstücke bis zum tiefsten Punkt der Rohrkrümmung und werden schräg abgeschnitten damit letzte Tränkereste aufgesaugt werden können. Das gesamte Rohr wird mittels Ketten oder ähnlichem in die Waagrechte gebracht. Zur Tränkemahlzeit kann das Tränkerohr auf Höhe der Kälber abgelassen werden und wird nach dem Tränkevorgang zur Befriedigung des Saugreflexes noch etwa 30 Minuten hängen gelassen. Anschließend wird die Vorrichtung wieder außerhalb der Reichweite der Kälber hochgehängt. Diese Gruppentränken haben sich vor allem für Betriebe mit saisonaler Abkalbung als effizientes Verfahren zum Versorgen von mehreren etwa gleichaltrigen Kälbern bewährt. Den weiblichen Kälbern zur Aufzucht wird in das Sammelgefäß die rationierte Joghurtmenge gegeben.
Gruppentränke
Für eine Gruppe von zehn Kälbern können beispielsweise 30 Liter pro Mahlzeit vorbereitet werden. Den männlichen Kälbern, die vermarktet werden, bieten manche Landwirte den Joghurt zur freien Aufnahme an. Die angebotene Joghurtmenge wird dabei so gewählt werden, dass der Behälter zur nächsten Mahlzeit leer ist. Das Reinigen dieser Gruppentränken kann bei Joghurttränke auf einen vierwöchigen Turnus reduziert werden. So führten Ablagerungen von Joghurt an den Tränkegefäßen, welche sich in den Wochen aufbauten, zu keinerlei Problemen in der Verträglichkeit. Vor allem das Wegfallen des regelmäßigen Reinigens der Tränkeeimer oder der Gruppentränken wird von vielen Betriebsleitern als große Arbeitserleichterung empfunden. Eine monatliche Grundreinigung wird jedoch empfohlen. In Problembeständen muss die Einzelfütterung und tägliche gründliche Reinigung selbstverständlich auch weiterhin durchgeführt werden.
Alle Pilotbetriebe sind überzeugt von dieser Tränkevariante und geben ihre Erfahrungen bereits an andere Betriebe weiter. Inzwischen hat das Aufzuchtverfahren in die Beratungsarbeit der Fütterungstechniker des LKV Bayern Einzug gehalten.

Siegfried Steinberger von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft
Thomas Folger vom Landeskuratorium der Erzeugerringe für tierische Veredelung in Bayern
 

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